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Zur Mitte

Gleich muss ich da raus. Reden. Vor hunderten von Menschen. Gleich muss ich durch diesen Vorhang, den Weg auf der Bühne entlang gehen, bis ich endlich in der Mitte stehe. Nichtmal das Rednerpult hat man mir gelassen. Ich bin nervös. Klatschen. Adrenalin geht steil nach oben. Hat der Vorredner seine Vorlesung endlich beendet? Nichts passiert. Adrenalin zur Hälfte wieder runter, dann auf ein Viertel.

Vielleicht passiert ja noch irgendwas. Vielleicht geht das ganze Gebäude in Flammen auf. Vielleicht fällt mein Vorredner tot und die Veranstaltung wird deswegen sofort beendet. Vielleicht verschiebt man meinen Vortrag auf morgen früh, ist ja schon 20 Uhr.

Ich denke immer nur an die Bühne. An diese riesige gerade Fläche. An die Gesichter aus dem Publikum. Ich habe nicht mal Angst, dass man mich auslacht. Ich werde anfangen zu stottern, zu zittern, peinliche Überbrückungshandlungen vollführen, rot werden - das ganze Programm. Ich weiß es doch alles schon vorher.

"Er ist sofort fertig." Adrenalin wieder hoch. Bis zum Hals, oder höher. Alles fühlt sich fremd an. Ich schwitze. In diesem Momenten will der Körper weglaufen. Natur. Biologie. Evolution. Aber er darf nicht. Ich stehe ja schon auf dieser Bühne, ich denke ja sowieso an nichts Anderes. Ich sehe das Licht, spüre die Anwesenheit der Zuschauer... Ich sehe mich sogar selbst, ein bisschen jedenfalls. Weiß wohin mein Blick wandern wird, weiß was ich fühlen werde. Ich will nicht.

Der eigene Körper ist ein einziges Hinderniss. Außer Kontrolle geratene Biomasse. Ich möchte in ein Korsett eingeschnürt auf die Bühne gebracht werden, damit nichts zittern kann. Auf der Bühne bin ich ein verwackeltes Polaroidfoto.

Ich will weg. Lautes Klatschen, Klopfen. Ein Mann kommt durch den Vorhang, sofort kommt eine Traube von Menschen und umringt ihn. Händeschütteln, geheuchelte Glückwünsche. Ich muss da jetzt raus. Ich gehe in die andere Richtung. Ich hau ab. Ich habe Angst. Mir ist so heiß, mein Körper... Alles weich, mein Herz klopft nicht, es schlägt gegen meine Brust. Ich hau ab. Ich gehe in die andere Richtung, weg vom Vorhang. Ich gehe zurück. Ich hau ab. Wieder hin, wieder weg. Fluchtinstinkt. Man schaut mich komisch an. Ich hau ab.

Auf halbem Weg kehre ich um. Schnelles gehen. Schneller. Durch den Vorhang. Hinein ins Licht. Gemurmel. Ab jetzt werde ich jeden Schritt so langsam gehen, wie ich kann. Ganz langsam, ich will jeden Moment Angst genießen. Dort hinten ist die Mitte.
1.11.06 21:48


Der Moment,
in dem alles still ist.

Kein Flugzeug steht am Himmel.
Kein Windhauch fliegt vorbei.
Kein Schritt, der unsichtbaren Pfaden folgt.
Das Begreifen des Sounds als Tyrannei.

Kein Kind im Garten.
Kein Auto auf den Straßen.
Keine Polizeisirenen.
Selbst das Blut steht still in unsern Venen.

Da ist nichts, nur Ruhe.
Ruhe und Dämmrigkeit.
Es ist morgens, halb 11,
aber niemand achtet auf die Zeit.
6.11.06 10:35


Wir

Fremde Zeitungen aus dem Briefkasten geklaut.
Dem Yuppieschwein den Coup versaut.
Fahrradschlößer aufgebrochen.
Kindern den Luftballon zerstochen.

Der alten Frau den Platz weggeschnappt.
Dem Service alle Leitungen gekappt.
Das Ziel hundert Fahrradfahrer umzukippen.
Das dünne Eis schon vorgeschnitten.

Auf Hochzeiten von Fremden hemmunglos besoffen.
Den geschützen Vogel abgeschossen.
Strafzettel nachgedruckt und hinter Schweibenwischer gehängt.
Gutmenschen die Hausaugaben aufgezwängt.

Ich werde die ewig Träumenden erwecken.
Die Saubermänner dieser Welt verdrecken.
Den Leidenden werde ich neue Bürden auferlegen.
Und die Ungläubigen werde ich segnen.

Ich will, dass ALLE sich verändern.
Ich will viel mehr als das Jetzt und Hier.
Ich verlange den Tod durch Strang für Jammerei!
Ich verlange ein Ende des "du" und "ich" und "er"!








Und an der frei gewordenen Stelle
steht irgendwann ein "wir".
10.11.06 23:04


angst

Nichts ist mehr übrig
von Prunk und Euphorie
die Musik in meinem Kopf hat aufgehört zu spielen
in der Hitze verdampft sind Drang und Euphorie

Zuviel Angst liegt im Raum
liegt tief verschanzt in mir
Angst, Angst, Angst
es ist ein unheilbares Geschwür

Ich will doch nur nicht
allein sein
Doch ich kann nicht nur
zum Schein sein

Feige: ja.
Sich selbst überschätzt: Ja.
Es wenigstens versucht:

Ja.
14.11.06 16:54


6 Yes

Lohnt es sich aufzustehen, um etwas zu klären?

Lohnt es sich wegzufahren, wenn man doch eh immer wieder dort ankommt, wo man herkam?

Lohnt es sich, sechs Stunden Bahn zu fahren, um jemanden zu sehen?

Lohnt es sich, freiwillig Verantwortung zu übernehmen?

Lohnt es sich, jemanden anzurufen, um den Kontakt nicht zu verlieren?

Lohnt es, sich verändern zu wollen, obwohl man am Ende doch immer nur man selbst ist?
20.11.06 00:47


scheiß drauf

alle möglichkeiten offen halten
das leben sinnvoll zu gestalten
sich selbst zu disziplinieren
den tiefsten schmerz stehts zu kaschieren

vernunft und phrasen zum inhalt zu machen
immer nur lächeln statt zu lachen
alles so ernst zu nehmen, wie es scheint
sich der tränen zu schämen, wenn man weint

du nicht.
wir nicht.
unsere Augen schimmern heller
als ein ganzes, ordentliches leben es jemals vermag
alles ist erleuchtet
Fürchtet euch nicht. Denn wenn nicht jetzt
und hier und heute,
dann auf jedenfall am nächsten Tag.
21.11.06 21:14


Ein Junge redet in der Bahn

Junge (etwa 9 Jahre): "Meine Mutter hat mir auch mal Hausarrest gegeben, das macht die nie wieder!"
Mädchen (gleichen Alters): "Wieso?"
Junge: "Ich hab die solange genervt bis sie gesagt hat: 'Hau ab!" und 'Verpiss dich!'"
Mädchen: "Cooool."
24.11.06 00:25





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