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C17H18F3NO HCl

Ich spüre nichts. Die Hand fährt über meinen Rücken, meine Brust, meinen Oberarm, ich spüre nichts. Kopfschütteln auf Seiten des Arztes. Gemurmel, dann: "Hast du jemals geweint?" fragt die Stimme. Kopfschütteln auf meiner Seite. Kein Schmerz, keinen Hass. Keine Trauer, keine Wut. Lebensfreude? Das Pochen in meiner Brust ist der Sekundenzeiger einer Uhr. Tip Top, alles in Ordnung, ich bin beinahe gesund. "Ich muss Sie leider in ein Krankenhaus einweisen." Tip Top, alles ok. Wo soll die Angst herkommen? Hast du jemals gefühlt, wie ein Regentrofen deinen Arm entlanggeflossen ist? Hast du die Wärme, die Luftfeuchtigkeit gespürt, die sich mit deinem Atem vermischte und dich zum Schwitzen brachte? Hast du jemals darüber nachgedacht, deine Hand von der Herdplatte zu nehmen, nur um nicht innerlich zu verbrennen? War das Schmerz, als sie dich bemitleidete und dir auf die Schulter klopfte, oder war es deinerseits nur ein tieferes Versinken in einem Sumpf, der sich
anfühlt, als hätte man Millionen von Prozac-Tabletten in ihm aufgelöst. Du merkst was du bist, wenn sich deine Gefühle in dir vergraben. Wenn nur noch die Ahnung eines Gefühls, aber nicht mehr das reine Empfinden selbst verbleibt. Keinen Schmerz mehr zu fühlen, ist wie die vage Erinnerung an ein großes Ereignis, dass sich in deiner Erinnerung Jahre später nur noch anfühlt wie ein Schatten, wie die Fotokopie eines alten Fotos: Details verschwinden, Gefühle werden zu Ahnungen, Echtes wird eingetauscht gegen den verschwommenen Blick durch die beschlagene Brille der Sehnsucht. Tip Top.

"Warst du jemals verliebt", fragt der Arzt.
"Ich weiß es nicht. Vielleicht einmal", sagst du,"aber ich bin mir nicht sicher."
15.6.06 21:15


Du erkennst mich (nicht) wieder

Da liegt ein Foto von mir in deinem Garten
ist das etwa Zufall, oder willst du es vergraben?
Ja glaubst du denn,
dass alte Zeiten neue Früchte tragen?

Lass die Zombies doch im Keller,
die machen schon nichts kaputt.
Wenn du jemanden zum Ausgehen brauchst,
dann kauf dir doch 'nen Hund.

Ich bin nicht mehr derselbe, glaub mir,
nicht mehr seit diesem einen Tag.
Ich bin anders, mein eigener Doppelgänger
und selbst meine Mutter fragt noch manchmal nach.

Die Sonne verbrennt das Foto von mir in deinem Garten.
Bitte mach dir keine Hoffnung,
ohne mich
werden bessere Zeiten auf dich warten.
15.6.06 23:19


17.6.06 13:31


Neubeginn

die nacht ist kalt und meine hände auch
und wenn ich ehrlich bin bin schon taub
vom vielen reden und verstehn
vom sich verstecken und wegsehn
von morgens bis abends
sich in sehnsuchtserde zu vergraben
auf der sie trampeln wie in scharen
unmöglich zu bewahren
was früher mal war und nicht mehr ist.
Was man nie kannte und doch vermisst
ich öffne
türen, die schon viel zu lange geschlossen sind
wenn du heute gehst dann nimm mich mit, mein kind.

nach honolulu, oder dem wirtshaus an der ecke
zu den zwergen mit zu tiefer decke
zu den riesen die in ozeanen ihre wäsche waschen
zu den geistern in recyclingflaschen
nach nimmerland, in die Höhlen von wütenden Gangsterbanden
dorthin wo flugzeuge abkürzen und schiffe nicht landen

die nacht ist klar und der himmel auch
komm schon, frag mich schwarze löcher in den bauch
wo ich herkomme, was ich so mache
worauf ich stehe und über die sache
über die niemand gerne reden will

nur ein Atemhauch von dir
und alles steht still.
23.6.06 16:19





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